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Die Familie Dorra

aus dem Kirchspiel Czychen im Kreis Oletzko

Zur Zeit gibt es unter dem Namen Dorra ca 100 Einträge in deutschen Telefonbüchern. Alle mir bisher bekannten Namensträger haben Vorfahren in Ostpreußen. Entweder stammen sie aus der Gegend um Ortelsburg oder aus dem Kreis Oletzko (Treuburg). Das Hauptaugenmerk meiner Nachforschungen liegt bislang auf dem Kreis Oletzko (Treuburg).

Anfang 2005 bekam ich den Hinweis auf mögliche Hugenotten als Vorfahren. Leider seien die entsprechenden Papiere im Krieg verloren gegangen. Diese Hugenottenspur, ebenso wie eine mögliche Abstammung von einem napoleonischen Soldaten, von mir die "französische" Theorie oder kurz die F-Theorie genannt, wäre natürlich sehr reizvoll, allein es gibt keine nachprüfbaren Dokumente.

Ferner wurde speziell die Abstammung von den Hugenotten während des "Dritten Reiches" erforscht. Da bleibt bei mir der starke Zweifel, ob nicht aus rassischen Überlegungen lieber eine französische, als eine slawische Abstammung bewiesen werden sollte. Da es aber einen Ahnenpass gegeben haben soll und bei den Hugenotten eine Namensentwicklung von Dorrong zu Dorra nachzulesen ist, kann diese Theorie nicht völlig ausgeschlossen werden. Für die Dorras aus Wensöwen erscheint sie allerdings eher unwahrscheinlich. Vielleicht hat es aber im Kreis eine zweite Familie Dorra gegeben, die nur den gleichen oder änlichen Nachnamen hatte, sonst aber nicht verwandt mit den Wensöwenern war.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch das Vorkommen des Namens Donner im Kirchspiel Czychen. Dieser ähnlich klingende Name ist aber mit einiger Sicherheit Salzburger Ursprunges.

Erkenntnisse Stand Frühling 2005

Die ersten Taufeinträge in den Kirchenbücher von Czychen datieren vom Jahr 1800. Die Namen der ersten Dorras (dort auch Durra) im Kirchenbuch sind

  • Woytek Durra
  • Martin Durra
  • Katharina Durra

Damit scheidet eine Abstammung von einem napoleonischen Soldaten für die Wensöwener Dorras aus. 1807 wird Gumbinnen durch eine Division des französischen Marschalls Ney besetzt. Die Napoleon mit seinen Truppen lagert vom 18. bis 21. Juni 1812 in Gumbinnen . Napoleon Rückzug aus Rußland begann im Herbst 1812. Gegen Ende des Jahres überschritten die nördlichen Einheiten die Memel und durchquerten Ostpreußen. Die Schreibweise war aber schon um 1800 Dora, resp. Durra. Kein Dorrong oder ähnliches.

In den Prestationstabellen von Czychen (ab ca. 1764) finden sich keine Einträge mit dem Namen Dorra. Weder bei bäuerlichen Untertanen oder Losleuten, noch bei Köllmern oder Schultzen. Zwar ist das Gut / Dorf Wensöwen kein königliches sondern ein adliges Gut und erscheint deshalb nicht in den Praestationstabellen, aber es finden sich eben auch keine Dorras in den umliegenden Orten. Ebenso wird der Name Dorra nicht ein einziges Mal in den Mahllisten genannt. Dieser Grund bedarf noch weiterer Untersuchungen.

Sollte sich nämlich erweisen, dass Dorras tatsächlich erst ab ca. 1780 in Wensöwen ansässig waren, könnte ein früherer Wohnort der Sippe Ortelsburg gewesen sein, da auch dort Dorras in größerer Zahl vorkamen. So zum Beispiel in den 60iger Jahren des 18. Jahrhunderts

  • Albrecht (Woytek) Dorra
  • Martin Dorra
  • Katharina Dorra
und zwar in Olschienen. Das gibt der Spekulation Raum, dass entweder ein oder zwei Dorras aus Ortelsburg nach Wensöwen gezogen sein könnten. Den Kindern gab man dann, wie damals üblich die Vornamen der Väter und Onkel, bzw. der Mütter und Tanten.

Um diese Hypothese zu erhärten, müßten die Totenbücher von Ortelsburg gefunden und dahingehend ausgewertet werden, ob sich Sterbeeinträge der besagten Personen finden. Wenn sich solche nicht finden lassen, könnte das die langgesuchte Verbindung zwischen der Treuburger und der Ortelsburger Linie darstellen.

Eine andere Möglichkeit, wie Ortelsburger nach Treuburg gekommen sein könnten, liegt in der Stationierung des Regiments v. Dierike. Salomon Durra war Musketier in der Kompanie des Herrn v. Berfort. ( Siehe auch Appendix "Das Regiment" Auch auf diesem Wege mag ein Ortelsburger mit dem Regiment nach Oletzko gekommen sein.)

Sollte sich die Verbindung nach Ortelsburg bewahrheiten, wäre das ein schwerer Schlag gegen die F-Theorie. Warum? Der älteste Fund bisher datiert vom Jahre 1742 (Gefunden im Heiratsbuch von Olschienen). Die Hugenotten kamen ab dem Jahre 1685 (Edikt von Potsdam). Durch ein "Königliches Patent" , das ab dem 20. September 1711 öffentlich gemacht wurde, wurden Vergünstigungen für Kolonisten angeboten, die das durch Hungersnöte und Pest (Contagion) in den Jahren 1708-10 entvölkerten Ostpreußen wieder besiedeln (Repeuplierung) sollten. Gut dokumentiert sind die Hugenotten in Gumbinnen. Nach nur einer oder zwei Generationen könnte man noch Anklänge an den ursprünglichen Namen, z.B. Dorrong erwarten.
Schwerer wiegt allerdings in meinen Augen, dass die Vornamen mit Woytek, Marcin oder Bartek nicht einmal ansatzweise deutsch, geschweige französisch klingen. (Von persönlichen Vorlieben der die Kirchenbücher führenden Pfarrer einmal abgesehen.) Im Raum Gumbinnen, wo sich eine Anzahl Hugenotten niedergelassen hatte, sind die französischen Einflüsse viel länger und auch stärker erhalten geblieben.

Wenn man dennoch an der Hugenotten-Theorie festhalten möchte, ließe sich argumentieren, dass Sitten, Gepflogenheiten und vor allem die Sprache, sich eher erhalten, wenn man in einer Gemeinschaft lebt und diese Gemeinschaft auch kulturelle, wenigstens religiöse Freizügigkeit verbrieft bekam (wie eben die Hugenotten in Gumbinnen).


Erkenntnisse Stand Frühling 2006

Nachdem ich für meine Vorfahren die F-Theorie als erledigt und die Hugenottenspur als nicht sehr wahrscheinlich ansehe, habe ich noch einmal, diemal gezielt in der OWP-mail Liste nachgefragt und zwar unter Einwanderern. "OWP-Listi" Dieter hat daraufhin in dem Buch: "Die Untersuchung der litauischen Ämter durch die Kommision Blanckensee im Jahre 1727" nachgeschlagen und für den Ort PIERAGIENEN: folgenden Eintrag gefunden:
Hier wohnen 13 vor 18 Jahren (1709) angesetzte Schweizer. Erwähnt sind Abraham Lockler, Elias Pette, Joseph Dora, Adam Presko, Johann Lockler, Johann Jacob Petto, Peter Capitan, David Petto, Johann Gossain, Isaac Gurdain, Johann Johannes, Johann Goubatt, Joseph Goubat. Der Ort lag im Kreis Insterburg. Damit werden sich meine nächsten Nachforschungen auf das KB Insterburg Land ausdehnen. Zumal ein bislang vollkomm isolierter Eintrag bei den Mormonen jetzt wieder interessant werden könnte.

MARIA HEIDWIGE DORA
Birth: 21 JUL 1737
Christening: 25 JUL 1737 Wilhelmsberg Darkehmen,
Father: JOH. DORA Family
Mother: ANNE MARGRETHA
Batch Number: 7829922

Erkenntnisse Stand Herbst 2006

Während des Sommers haben sich zwei Mitforscher bei mir gemeldet, die mit äußerst interessanten Informationen aufwarten konnten. Demzufolge ist der Ortelsburger Zweig der Dorras bis ca 1620 zurückzuverfolgen und bis 1430 ist der Name nachweisbar. Das bedeutet aber zumindest für die Ortelsburger eine prußische oder masowische Abstammung. Die zweite Spur führt in Wensöwen bis ins Jahr 1784. Eines noch in den 30er Jahren vorhandenen Taufbuches zufolge, wurde Anortha Dora als Tochter des Andreas Dora (eines adligen Einsassen) und der Louisa Beluzowna am 1. Januar 1774 in Wensöwen geboren. Ob Andreas Dora - vermutlich zwischen 1750 und 1760 - allerdings auch schon in Wensöwen oder aber anderswo geboren wurde, bleibt im Dunkeln. Andreas Dora wird um 1803 letztmalig als Pate beurkundet.

Meine direkten Vorfahren

Meine Vorfahren wurden in der Kirche von Czychen (Bolken) getauft. Wohnhaft waren sie im Dorf Wensöwen (Eibenau). Hier einer der ältesten Einträge im Kirchenbuch mit Bezug auf den Namen Durra:
Susanna Durra Ehefrau des Jac.Sowa, Mutter des Gottlieb Sowa. 17. Dec. 1800 ahnen47

Die Namen der geborenen Dorras in meiner direkten Linie stellen sich so dar:


Ich habe noch über 100 Namensträger, die teilweise dem Datenschutz unterliegen oder noch nicht mit meinen oben genannten Vorfahren in Verbindung gebrachte werden konnten.

Falls Sie also unter Ihren Vorfahren die Namen Dorra, Dora, Dohra oder Dorowska finden, wäre ich für eine kurze Mail dankbar. Das gilt natürlich auch für die weiblichen Vorfahren.

Podlasli, Benik, Bolk, Berno, Beluza, Olk.


Franz Dorra

wurde am 26.5 1876 in Wensöwen (Eibenau) Kreis Oletzko (Treuburg) geboren. Am 24.2.1907 heiratete er
Emilie Podlasli in der Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain. Sie wohnten ab 1912 in der Ringbahnstraße 58, später in der Ordensmeisterstraße 55 in Tempelhof. Gemeinsam hatten sie vier Kinder.

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Franz Dorra arbeitete von 1901 bis 1941 als Schlosser beim Reichsbahnausbesserungswerk Berlin-Tempelhof. Er war parteipolitisch aktiv und Mitglied in einem Männergesangsverein. Vor dem Flughafenbau hatte er auf dem Tempelhoferfeld 2 Parzellen. In den letzten Kriegstagen erlitt er, bei dem Versuch sich um seine in der Nähe wohnende Tochter zu kümmern, einen Bauchschuß und verstarb am 30.4.1945 im Auguste-Viktoria- Krankenhaus. Er ruht auf dem Steglitzer Friedhof Bergstraße auf der Kriegsgräberstätte Block D Grab 15.

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Paul Otto Dorra

wurde am 4.3.1913 als 3. Kind in Berlin Tempelhof geboren. Er diente vom 31.10.1935 bis 37 im 3.Artillerie Regiment, 8. Batterie in Frankfurt/ Oder. Während des Krieges arbeitete er bei den Junkers-Werken u.a. in Schönefeld. Am 26.2.1945 wurde er eingezogen und gerat als Angehöriger des Füsilier Ersatz und Ausbildungsbatallions 68 vermutlich bei den Seelower Höhen in russische Gefangenschaft. Da in seinem Transport die Ruhr ausbrach, wurden alle vor ihrer Ankunft in einem Lager wieder nach Deutschland geschickt.

Paul Dorra heiratete Elvira Tuzla am 11.12.1948 in Berlin. Gemeinsam hatten sie ein Kind:

Nach dem Krieg arbeitete er bei Borsig und bis zur Rente bei Siemens. Die meisten Jahre wohnte er in Charlottenburg. Von Mitte der 60er bis in die 80er Jahre hatte er einen Schrebergarten auf der Kolonie "Olympia". Er starb am 25.2.1997 in Berlin. Paul Dorra ruht auf dem Friedhof Am Birkenhain im Ruhleben.


Albert Ernst Dorra

wurde 1909 in Berlin geboren. Er war verheiratet mit Else Dorra. Gemeinsam hatten sie drei Kinder:

  • Dieter Dorra .
  • C. Dorra und
  • D. Dorra .
Albert Ernst Dorra starb 1990 in Hamburg.


Frieda Dorra

wurde 1910 in Berlin geboren. Sie heiratete Theiler. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder: P. Theiler und K. Theiler. Sie hatte einige Jahre um 1948 einen Tabakwarenladen am Tempelhofer Damm, Nähe S-Bahnhof Tempelhof. Frieda Theiler starb ca. 1988.


Eduard Dorra

wurde am 16.12.1915 in Berlin geboren. Während des Krieges diente er bei der Flak u.a. in Afrika und Italien. Er war verheiratet mit Lena Dorra. Sie hatten keine gemeinsamen Kinder. Bis zur Rente arbeitete er in der Dachpappenfabrik Quante. Sie wohnten in der Silbersteinstraße in Neukölln. Er starb ca. 1985 in Berlin.


luisenkirche

Raymont Franz Latif Dorra

wurde 1952 im Berliner Wenkebachkrankenhaus geboren. Am
30.12.1976 heiratete er Taru Aulikki Mikkonen in der Berliner Luisenkirche. Sie haben drei gemeinsame Kinder.
  • N. Dorra
  • K. Dorra und
  • A. Dorra
Er ist Diplom Ingenieur und hat u.a. bei AEG-Telefunken und Nokia gearbeitet. Er lebte bis 1987 in Berlin. Dann einige Jahre in Senden (in der Nähe von Ulm) und seit 1993 in Helsinki.